24h MTB Jihlava

Wenn alles andere nicht mehr wichtig ist

Mein persönlicher Rückblick auf mein erstes 24h-MTB Rennen nach 10 Jahren, der völlig belanglos wird, wenn man erfahren hat, dass ein anderer Radfahrer nach einem Sturz eben nicht mehr aufgestanden ist, sondern seinen Verletzungen erlegen ist. Nach ein paar Wochen, in denen ich mit mir gerungen habe, ob und wie ich diesen Bericht überhaupt schreiben sollte, bin ich zum Entschluss gekommen, diese kurze Einleitung voranzustellen.

Ein Mensch hat sein Leben verloren, völlig unerwartet und sicherlich viel zu früh. Damit sind erreichte Kilometer, Platzierungen und selbstgesteckte Ziele von einer Sekunde auf die andere vollkommen irrelevant. Ich habe ihn nicht gekannt, doch durch die gemeinsame Teilnahme an einem 24h Radrennen ist der tragische Unfall um ein vielfaches präsenter. Tagtäglich sterben viele (mit Blick auf Länder wie die Ukraine ganz sicher sogar viel zu viele) Menschen auf der Welt, und ich nehme das relativ problemlos als gegeben hin. Doch wenn das Schicksal so räumlich und inhaltlich nahe bei einem einschlägt, dann denke ich mir unweigerlich: „Sch…., das hätte auch ich sein können!“ Und damit habe ich wohl nicht völlig unrecht. Natürlich halte ich mich an mein Versprechen gegenüber meiner Frau und Tochter und gehe keine unnötigen Risiken bei einem Radrennen ein, doch eine 100%ige Garantie gibt es im Leben leider nicht. Somit ist es letztendlich vielleicht nur Glück, dass ich hier sitze und diese Zeilen schreiben kann. Dies macht mich dann doch sehr demütig, und alles was bleibt ist den Hinterbliebenen viel Kraft zu wünschen und mich aus Dankbarkeit, dass mir und ganz vielen lieben Menschen um mich herum nichts derart tragisches passiert ist, darum zu bemühen meine Zeit auf Erden möglichst positiv und sinnvoll zu nutzen.

In diesem Sinne, nun ein kurzer Rückblick auf meine Erlebnisse beim 24h MTB Rennen in Jihlava.

Anreise und Rennvorbereitungen: Eine Anreise mit der Bahn von Mödling nach Jihlava hat schon per se etwas Abenteuer-Charakter. Dieser wurde noch verstärkt durch die Tatsache, dass ich mit Fahrrad und Familie unterwegs war und auch noch die anschließende Konferenz in Dublin mitplanen musste. Aber mit etwas Geduld klappt alles und wir kommen am Freitag in Jihlava an und ich schaffe es planmässig mich zu registrieren und das Zelt an der Strecke aufzubauen. Die weitere Rennvorbereitung besteht darin im Billa vor Ort ein paar Müsli-Riegel zu kaufen und das obligatorische tschechische Bier zum Abendessen zu trinken.

Vor dem Start: Am Samstag noch in Ruhe mit der Familie frühstücken und dann gemütlich zur Fahrerbesprechung spazieren. Dabei passiert das erste Malheur und Sophia aufgrund von nicht richtig angezogenen Schuhen eine Blase am Fuß. Damit ist die ganze Fahrerbesprechung und die Aufregung vor dem Start für Sophia uninteressant, weil der sehr nette Sanitäter vor Ort leider nur ein einfarbiges Pflaster hat. Darum ist meine Familie halt nicht beim neutralisierten Start dabei, sondern auf dem Weg zurück zum Hotel auf der Suche nach dem richtigen Pflaster. Der zeremonielle Start führt uns dann auf den Hauptplatz wo bei strahlendem Sonnenschein noch einige Ansprachen stattfinden. Ich bin schon dadurch schon mal vor dem Start durch die Hitze müde.

Die ersten Stunden: Nach dem neutralisierten Start durch die Altstadt geht es zu Start und Ziel wo, das Rennen freigegeben wird. Ich bleibe absichtlich weit hinten im Feld, da ich das Rennen ja langsam angehen will. Damit ist ca. 100 Meter nach dem Start im ersten technischen Anstieg fahren schon mal unmöglich. Irgendwie frustrierend, wenn man nach 100 Metern schon mal schieben muss. Egal, ich bleibe erfolgreich ruhig und schwimme im hinteren Mittelfeld in der ersten Runde mit. In der zweiten Runde habe ich genügend der ganz langsamen Radfahrer überholt, dass genug Platz ist auch die technische erste Steigung zu fahren. Ich komme langsam in Schwung und merke gleichzeitig, dass es viel zu heiß ist, und ich deutlich zu wenig trinke und auch nicht zum essen komme. Der Elan ist jedoch zu groß, dass ich fünf Runden fahre bis ich zum ersten Mal stehen bleibe um meine Flasche zu füllen.

Runde 9 – der ersten Platten: Nach der ersten Pause zum Flasche füllen, komme ich wieder halbwegs in Schwung und pendle mich auf einen Rhythmus ein, jede zweite Runde die Flaschen zu füllen. In Runde 9 hänge ich mich an eine Radfaherin mit Radio an, und bin zum ersten Mal so richtig im Flow. Bis zur letzten Abfahrt, bei der ich einen großen spitzen Stein am Wegrand erwische und mir einen Platten einfahre. Egal denke ich mir, sind nur noch ein paar hundert Meter bis zum Zelt, da kann ich meinen Platten reparieren. Also schiebe ich mein Rad. Bei Zelt angekommen, fällt mir ein, dass ich eh die Pumpe und den Reserveschlauch dabei hatte. Dann kämpfe ich erstmal 10 Minuten mit der Steckachse bis ich endlich meinen Platten reparieren kann. Der Vorteil ist, dass ich mir endlich Zeit nehme etwas zu essen. Der Nachteil ist, dass meine kleine Pumpe nicht genug Druck in den Reifen bringt und das Hinterrad ordentlich eiert.

Runde 13 – der Nachfolgeplatten: Das eiernde Hinterrad wird geflissentlich ignoriert und ich versuche weiter meine Runden zu drehen. Die Hitze macht mir ziemlich zu schaffen und ich merke, dass die Wassermelonen und Apfelstücke bei der Verpflegung definitiv nicht genug Energienachschub bringen. Nach vier Runden gibt der Schlauch w.o., dieses Mal gottseidank direkt in der Wechselzone und ich schiebe mein Rad direkt zum Reparaturservice, dem ich meinen letzten Reserveschlauch in die Hand drücke. Die Inanspruchnahme dieses hervorragenden Services erweist sich als goldrichtig. Die Repartur ist schneller und vor allem nachhaltiger als meine eigene. Wieder mehr motiviert fahre ich weiter und treffe in der nächsten Runde Inga und Sophia an der Strecke. Das Wissen, dass das richtige Pflaster seinen Zweck erfüllt hat und es meinen beiden Damen gut geht beflügelt mich. Zusammen mit den endlich kühleren Temperaturen komme ich wieder besser in den Flow.

Runde 17 – Essen ohne Rücksicht auf Verluste: Der Kopf ist wieder motiviert, die Beine sind schon eher schwer und meine unzureichende Nahrungszufuhr macht sich zunehmend bemerkbar. Nach knapp 10 Stunden beschließe ich es darauf ankommen zu lassen und esse was es eben im Angebot gibt. Gulasch war mit dann doch zu hart, aber das Risotto ist nur ein wenig magenschonender. Egal, ich risikiere es, denn nur mit den Müsli-Riegeln oder der Wassermelone kann ich nie die 24 h überstehen. Die Pause wird auch gleich genutzt um das Licht zu montieren, somit sind die 40 Minuten Standzeit zwar lange, aber nicht katastrophal. Und der Plan geht auf. Nach ein, zwei Runden schafft es mein Stoffwechsel auch genug Energie aus der Hau-Ruck-Essensaktion zu ziehen und ich bin ziemlich zufrieden mit den letzten Tageslicht-Runden.

Runden 20 und 21 – mein Rendez-Vous mit der Brücke und das unerwartete Ende: Der wunderbare Lichtstimmung während dem Sonnenuntergang entschädigt mich für die zunehmend schweren Beinen in den kurzen knackigen Anstiegen. Die erste Runde in der Nacht macht richtig Freude. Doch in der zweiten Runde in der Nacht fädle ich mit meinem Lenker in einem Brückengeländer ein. Ich stürze zwar nicht, aber das unsanfte Bremsmanöver am Brückengeländer führt zu einem riesigen blauen Fleck auf meinem Oberschenkel in den nächsten Tagen. Da von weiss ich jedoch noch nichts. Ich richte meinen Lenker wieder aus, und fahre die Runde fertig. Die nächste Runde fahre ich auch noch, doch mein Gefühl sagt mir, dass ich jedenfalls eine Pause brauche. Die Entscheidung reift in mir, dass ich lieber rund um Mitternacht ein paar Stunden Pause mache und dafür die Sonnenaufgang-Runden wieder fahren kann. Somit lege ich mich nach ziemlich genau 12 Stunden in mein Zelt.

Das wiederum erscheint mir zunächst eine sehr dumme Idee. Da ich nie den Plan hatte zu schlafen habe ich natürlich keine Iso- oder Luftmatratze mit und auch keinen Schlafsack. So ist mir trotz Merinounterleiberl kalt und ich kann nicht schlafen. Ich liege also wach im Zelt und lausche meiner Umgebung. Nach nur sehr kurzer Zeit ist es absolut ruhig… und ich denke mir, da fährt ja niemand mehr… da verliere ich ja gar nix gegen meine Konkurrenten. Doch nach ein paar Stunden frieren wird mir klar, dass der einzige Weg wieder warm zu werden ist, wenn ich wieder weiterfahre. Ich rolle also zu Start und Ziel und kenne mich überhaupt nicht mehr aus, denn da steht nur „the race is interrupted“. Ich weiss ja nichts von dem tragischen Unfall…

Epilog: Walter informiert mich über WhatsApp dass das Rennen endgültig abgebrochen ist. Ich komme zum Frühstück wieder ins Hotel und kann den Tag noch mit Inga und Sophia verbringen, was definitiv ein dicker Pluspunkt ist. Und im Nachhinein betrachtet bin ich froh, dass ich nicht weitergefahren bin, denn vermutlich wäre ich in der nächsten Runde direkt zum Unfall gekommen und hätte wohl noch mehr mit dem tragischen Ausgang zu kämpfen.

Was bleibt ist ein ambivalentes Gefühl. Nichts von meinem Rennergebnis ist von irgendeiner Relevanz, gegeben der tragischen Umstände. Dennoch ist es eine unvollendete Geschichte. Die ca. 180 km und 3400 Höhenmeter in ca. 12h, trotz zweier Platten, sind durchaus ok, aber ich weiss auch, dass ich die zweite Hälfte nicht mehr so viel liefern hätte können. Somit ist der Wunsch da, mich besser vorzubereiten und wieder ein 24h MTB Rennen in Angriff zu nehmen. Davor muss ich aber in meinem Kopf noch damit klarkommen, dass meine naive Vorstellung, bei so einem Rennen passiert nix wirklich schlimmes, leider nicht immer hält. Gleichwohl, der Blitz schlägt nicht zwei Mal an der gleichen Stelle ein, oder?

Pläne

Eigentlich ist alles ganz einfach. Anfang April beginnen wir wieder mit der Wochenteilung, d.h. unserer wöchentlichen Rennradausfahrt am Mittwoch. So weit der Plan. Das Wetter am ersten Mittwoch im April ist absolut perfekt, alles im Plan…. Oder doch nicht? Ich wache an diesem Mittwoch auf und kann meinen Kopf nicht mehr bewegen, da meine Nackenmuskulatur nicht mitspielt.

Kann nicht sein. Ich habe doch fest eingeplant, die neue Wochenteilung-Saison heute zu starten. Doch irgendwie wird das mit meinem Nacken den ganzen Tag nicht besser und alles was ich machen kann, ist beim Treffpunkt der Wochenteilung vorbeizuschauen und allen eine gute Ausfahrt zu wünschen.

Die nächste Nacht ist katastrophal und ich male mir die abenteuerlichsten Dinge aus, die meine Schmerzen verursachen könnten. Also gehe ich am nächsten Tag zum Arzt, mit dem Resultat, dass ich zum ersten Mal in meinem Berufsleben zwei Tage krankgeschrieben werde, aber mit entzündungsbekämpfenden Medikamenten alles wieder hinbekommen sollte.

Und tatsächlich, nach zwei, drei Tagen ist der ganze Spuk wieder vorbei…. Und trotz nochmaliger Rückkehr von grauslichem Wetter schaffe ich es sogar auch in dieser Woche noch, eine kurze Rennradrunde draußen zu drehen. Damit ist der Plan, jede Woche mindestens einmal draußen Rad zu fahren weiterhin erfüllt… wie jede Woche seit Anfang 2020… puuuh, noch mal Glück gehabt!

Doch die gesamte Episode hat mich deutlich zum Nachdenken gebracht. Sich knapp zwei Tage lang wie ein uralter bewegungsunfähiger Mann zu fühlen, hat mich vor die Frage gestellt, welche meiner Pläne denn wichtig sind.

Gesund bleiben und möglichst viel quality time mit meiner Familie zu verbringen steht ja mal außer Frage. Meinen Job so gut zu machen, dass ich kein schlechtes Gewissen für meinen Zahltag habe, ist auch gesetzt. Spannender wird es mit den Freizeit-Plänen. Da sind neben diversen Familienurlauben natürlich auch meine Radfahrpläne ganz zentral….

Und für dieses Jahr sticht da der Plan für ein 24h Solo MTB Rennen heraus. Das erste für mich seit ziemlich genau 10 Jahren. Eigentlich hat mich dieser Plan schon vor meiner zweitägigen Zwangspause etwas nervös gemacht, und dann auch noch unerwartete gesundheitliche Probleme….

Und wozu hat das ganze dann geführt? Dazu, dass ich jetzt erst recht an meinem Plan für das 24h Rennen festhalte, erstes brauch‘ ich hin und wieder was verrücktes um mich lebendig zu fühlen, zweitens hängt absolut gar nix von dem exakten Rennergebnis des 24h Rennens ab, somit kann ich meinen Ehrgeiz während des Rennens immer noch drosseln, wenn andere wichtigere Pläne (siehe die Punkte Gesundheit, Familie etc. oben) gefährdet werden, und drittens braucht Gott sicher noch ein paar Hofnarren die ihn (oder sie?) mit ihren Plänen zum Lachen bringt….

In diesem Sinne, plant fleißig lauter positiv verrückte Radabenteuer und befolgt gleichzeitig den Rat von te Walt – Locker bleiben (insbesondere in der Nackengegend…)

Korrelation oder: Wenn in China ein Rad umfällt…

Eine Korrelation (mittellat. correlatio für „Wechselbeziehung“) beschreibt eine Beziehung zwischen zwei oder mehreren Merkmalen, Zuständen oder Funktionen. Die Beziehung muss keine kausale Beziehung sein: manche Elemente eines Systems beeinflussen sich gegenseitig nicht, oder es besteht eine stochastische, also vom Zufall beeinflusste Beziehung zwischen ihnen.

Viele Menschen aber auch RadfahrerInnen denken, es betrifft sie nicht, wenn in China ein Rad umfällt! Falsch!

Stellt euch einmal vor:

Reissäcke haben scheinbar eine Tendenz zum spontanen Umfallen…

Am 02.03.2021 fällt in Xiahuang ein Sack mit Reis auf des Fahrrad von Ih Fah Glei. Er ist VIP Shuttlefahrer am Flughafen von Jishui! Natürlich ist es jetzt ungut. Er hat zwar keine Schaltung am Rad, aber die Felge ist total verbogen, er kommt zu spät zum Dienst! Leider hat er kein Handy dabei, ruft seinen Chef sehr spät an, der Ersatzmann fährt zu spät weg, um den Kunden, die Flight Crew eines Transportfliegers rechtzeitig auf den Flughafen zu bringen. So muss CIS einen Ersatz stellen, der Flug geht unglücklicherweise um 37 Minuten zu spät weg, verpasst den Landeslot in Shanghai um 2 Minuten und muss 1,56 Stunden kreisen. Dadurch kommen die geladenen Shimano Teile zu spät an, können nicht mehr zeitgerecht verladen werden, werden um eine Woche nach hinten gereiht und schließlich auf die Evergiven geladen (statt auf die Forgiven)!

Dann, eh schon wissen, steckt die Evergiven plötzlich wochenlang im Suezkanal fest, unser aller Ersatzteile von Shimano mit ihr!!

Ich schwöre es, so war es, bzw. so kann es wirklich gewesen sein. Wegen eines Radumfallers in China haben wir alle keine Shimano Teile bekommen!

Und jetzt die Gedanken, die dann automatisch „einfahren“: wenn schon ein so kleiner Umfaller in China solche Auswirkungen haben kann, was passiert, wenn MEIN Rad umfällt? Nur ein Kratzer? Wer weiß das schon! Oder noch schlimmer, Du hast einen „Umfaller“ in der Bachstubn, genehmigst Dir ein Bier zu viel, dazu ein Schnitzerl,… Es kann gut sein, dass Deine Radkarriere bald endet! Oder Du doch nicht Age Group WeltmeisterIn wirst!

Die Conclusio:

Alles, wirklich auch alles kann sich auswirken! Und noch eher: Alles, was man NICHT macht, wirkt sich aus! Für uns heißt das nun: alle Kilometer, Höhenmeter,… die man fährt (oder auch nicht) zählen. Jede Pause, die man nicht macht, fehlt (kann aber auch zuviel sein!)

Waaaah… was ich euch aber zum „Reissackldilemma“ sagen will: locker bleiben! Beim Radfahren, auch wenn man es ernst nimmt, locker bleiben, Spaß haben!

So freue ich mich auf die lockeren, gemeinsamen Ausfahrten von heuer (Achtung, der RCM Wochenteiler beginnt mit 06.04.), die lockeren Rampen und Pässe im Sommer, die lockeren Rennen der Saison (Ende April, erstes RCM Zeitfahren Wienerwaldcup) usw.

Ein locker der Saison entgegensehender
te Walt!

Abkürzung

Als Abkürzung (abgekürzt: Abk.) wird die gegenüber der ursprünglichen Länge verkürzte Länge z.B- eines Wortes,  eines Weges,… bezeichnet.

In unserem Fall bezeichnet man damit die Abkürzung des Winters für Radfahrer. Heuer kürze ich gleich zwei Mal ab, einmal den Winter und hier bei uns in Ostösterreich, den Winder!

Vor 3 Wochen fahr‘ ich gegen den Wind mit unglaublichem  (Watt) Aufwand bergab!! Das hat gereicht, ich muss weg!

Ein paar Tage später fahre ich mit unglaublichem (Watt) Aufwand… immerhin bergauf. Dazu hat es 20°, die Sonne scheint und seit ich die Ebene (=Strand) von El Medano (Teneriffa) verlassen habe, ist der Wind nicht so das Problem. Ich bin auf Urlaub. Mit dem Rad. Mit Chefin. Lässig! Abkürzung geschafft.

Natürlich ist es nicht einfach. Entscheidungen sind da immer zu treffen. Man liegt immer falsch. Nimmst du dein Rad mit kann es sein, dass es nicht ankommt, beschädigt wird, Du einen Ersatzteil benötigst, der nicht aufzutreiben ist…

Oder (in meinem Fall), du nimmst ein Leihrad. Dieses ist aber natürlich NICHT DEINS! Es ist schwerer, passt nie optimal, rollt nicht so gut,…

Aufgewogen wird dies aber durch die nun ausgewechselte Streckenführung, fahre ich doch nun statt nach Hochrotherd auf den Teide. Kommt recht selten vor (auch bei uns), ein durchgehender Anstieg von 2.300hm, allerdings moderat (von der Steigung her gesehen). Wie wir aber alle wissen, die Anstrengung hängt unglaublich eng mit der gefahrenen Geschwindigkeit bergauf zusammen! Moderat war diese noch, als ich „mein“ Tempo raufgetreten habe. Weniger moderat war diese, als mich Van Aert, Roglic,… überholt haben und ich dachte, ich fahr da kurz mit (tolle Idee). Immerhin habe ich mich nicht der totalen Lächerlichkeit preisgegeben und sie überholt, nein, so deppert (aber fast😊) bin ich nicht (mehr)!

Auffallend der Style und die Ökonomie, mit der diese Burschen unterwegs sind, es waren lehrreiche und beeindruckende m (ja m!, nicht km!), die wir da „gemeinsam“ gefahren sind. Darüber hinaus, auch die Pros fahren mit Rücklicht am Tag!

Nun aber zurück in die Hobbyistengefilde. Eine Woche Abkürzung bringt‘s wirklich, allerdings zu beachten: die Pace! Habe echt viele RadlerInnen getroffen, die wirklich angedrückt haben, aber eben nur einen Tag lang. Ich hatte vor, 6 Tage am Stück zu fahren, da macht es Sinn, nicht gleich am ersten Tag, voll motiviert und nach ein paar Willkommen Biers am Vorabend, anzudrücken. Grundlage ist das Zauberwort (geht manchmal aber auch mit Maximalpuls, Ehrensache😊)

Einen Vergleichskampf habe ich auch gemacht; gewonnen! E Rennrad 1.647hm, te Walt 3.100hm (und ich hätte noch können, der Berg war aber aus und der Wirtn schon offen)

6 Tage später stehen 700km und 14.000hm mehr auf dem Tacho, sehr gediegen! Am letzten Tag „chillen“ im Strandcafe und die Surfer, Kiter,… beobachten, dazu immer maximal eine Hand frei!

Auch klar: wenn man im Sommer von einem Urlaub zurückkommen würde, würd’s sicher keinen Schneeregen und Sturm geben! Welcome home!

Aber, who cares, nach ein paar Tagen bei warmen Wetter auf einer Kanareninsel sind die Schenkerl zwar noch hart, aber die Seele baumelt, der Geist ist entspannt. Was soll’s, in einem Monat wird’s auch hier wieder wärmer, grüner,…. die Abkürzung hat gewirkt. 3 Monate Winter, Insel und dann halt noch 4 Wochen Beinlinge, locker!

Apropos Beinlinge und Kälte. Natürlich hatte ich keine mit! Weil: Teneriffa ist eine Insel. Ich mach Urlaub auf einer Insel. Und wo man Urlaub macht, ist es warm. Aber auch, so wie bei uns: wenn man, egal wo, fast bis auf 3000m rauffährt, ist es überall sehr, sehr frisch. Die Taktik dann: bei nur 6°C kurz/ kurz (aber immerhin mit Windjackerl) 1.000hm bis zur absoluten Zittergrenze runterfahren, abkristeln, wieder 200hm nach oben fahren zum Aufwärmen, wiederholen bis man unten ist. Zudem halten die Beinlinge mit der Ganslhaut viel besser und rutschen nicht!

Ich wünsch‘ euch allen auch die Möglichkeit für eine Abkürzung! Wir sehen uns entweder so auf der Straße oder bald beim RCM Monatsteiler (homepage!).

Alles Gute,

te Walt

Funktion funktioniert


Wahnsinn. Mittlerweile bin sogar ich in einem Alter, wo ich schon mehr Radsaisonen als andere Lebensjahre absolviert habe. Dies trifft natürlich auch auf ein paar Kollegen beim RC zu, sorry, die Herren!

Erinnern „wir“ uns an die sogenannte Funktionswäsche der Achtziger, Neunziger und ja, auch der (2000) Zehnerjahre! Kein Stein bzw. keine Naht bleibt mittlerweile auf dem/ der anderen! Ich habe mir am Sonntag ein paar Stunden Papaurlaub bei den Kindern rausgequetscht, d.h. ein schnelles Runderl im Wienerwald, mit frühem, sehr frühem Start. Und vor allem: bei frischen -2°C! Oben in Hochroterd hatte es dann in der Sonne schon wieder +13°C, zurück im Graben zwischen Gaaden und Hinterbrühl dann gefühlte -10 (ok, es waren aber sicher nicht mehr als 5).

Insgesamt also gut und gerne 15 °C Unterschied, ich stelle mir dies nun so wie früher vor: 1 lässiges Baumwollshirt, Beinlinge, die noch lange keinen gummierten, flachen Bund kannten. Übers Leiberl ein Sweater, den man gut und gerne wörtlich übersetzt genauso nennen kann, darüber die legendäre Windjacke, undurchlässig (gegen alles) natürlich! Nach spätestens 10min ist die Baumwolle durch, bevor man in die Abfahrt geht, rinnt Dir der Schweiß direkt auf die Echtwildledersitzeinlage rein. Dort bleibt der Schweiß auch, speziell von den Schulterblättern abwärts über die Nierengegend und das Kreuz nach unten pickt nun alles eng am Körper. Auf jeden Fall schlüpfrig.

Und diesmal? Ein „Unterleibl“ welches gefühlt aus zusammengenähten Löchern besteht, darüber ein langärmliges Funktionsshirt, darüber das Langarmtrikot. OK, heiß war’s nicht beim Wegfahren, aber immer trocken und warm genug. Man kann sich ja ein wenig mehr bewegen, dann wird’s schon.

Aber irre, wie gut dies wirklich funktioniert! Nach der s .g. T Shirt Zeit hatten wir die Plastikphase. Nichts für empfindliche Nasen, exakt nichts für keine Haut, … ein Drama. Ich denke, dass es damals das Wort: „atmungsaktiv“ in Zusammenhang mit Wäsche noch gar nicht gegeben hat! Würden wir heute nach einer Clubausfahrt gemeinsam den Wirtn unseres Vertrauens aufsuchen, sogar der würde uns umsatzverachtend raushauen! (Aber Corona war dafür kein Thema, hm.)

Apropos Geruch: Ein ehemaliger Ausbilder beim Hochalpinkurs hatte auch ein Funktionsshirt für die 2 Wochen am Berg mit, wirklich nämlich, genau EINES! „Schafwulln schtinkt nit! Leider hatten wir das Zeugnis erst mit Kursende zu erwarten, so mussten wir (dem Saubatl) eine Antwort schuldig bleiben. Wobei: viel besser war’s bei uns in der neumodernen Plastikmode auch nicht!

Zurück zu heute! Vor einem Jahr habe ich einem Sporthändler noch vorgerechnet, dass ich sicher, ganz sicher nicht, über 1.400 Schilling (=alte österreichische Währung vor der Jahrtausendwende) für ein Unterleibl mit Löcher bezahle, egal wie gut das sein sollte (Schweizer Unternehmen mit einigen „S“ im Namen). Heuer bin ich ins kalte Wasser gesprungen und habe mir Funktionswäsche einer französischen Firma besorgt, zu 75% billiger als die der Schweizer. Bis jetzt getestet, immer wieder gewaschen, perfetto und a la boneur, Preis/Leistungsverhältbnis beeindruckend! (Marke könnt ihr bei uns im Verein erfragen).

So können wir, (wir= die nicht unbedingt on-vogue mit dem Radl eingespannt im Wohnzimmer fahren wollen) also RadlerInnen die gerne draußen sind, uns auf die Wäsch‘ durchaus verlassen.

Auf eines müsst Ihr aber bitte, bitte trotzdem aufpassen:

Da die Wäsche sehr, sehr körpernah getragen wird… haha!! Es ist wundersam, um wieviel sich die Löcher ausdehnen können!

Aber wir fahren ja (nicht nur) wegen der Ästethik (wieder haha)! Hier kann ich  euch beruhigen, viele RadlerInnen trefft ihr eh nicht mehr, also keine Angst.

So, genug gefaselt, ich muss rein (in meine Funktionsklamotten), damit ich raus kann! Ich wünsch uns allen eine lässige, zugegeben etwas frischere Saison. Nehmt’s immer ein Licht mit, achtet auf die tiefstehende Sonne und genießt das legendäre Farbenspiel. Und nicht vergessen, jetzt geht’s nicht mehr um Rekorde erst… später wieder 😊

te walt

Renntaktik

oder wie man sich ein Radrennen so richtig schön schwer macht

Mit einer knappen Woche Abstand, genügend Zeit zur Reflexion und ein paar zusätzlichen externen Informationen möchte ich euch einen Einblick in meine außergewöhnliche „Renntaktik“ (oder doch die vollkommene Abwesenheit einer eben solchen) geben.

Von Anfang an: Letzten Sonntag haben wir als Radclub Mödling unsere traditionelle offene Vereinsmeisterschaft, das Kurt Honisch Gedächtnisrennen, veranstaltet. Dieses mal zwar nicht auf dem traditionellen Dornbach-Rundkurs, aber die Strecke von Altenmarkt über St. Corona zum Schöpfl hatte ein ähnliche Charakteristik: Ein Rundkurs mit insgesamt 52 km und 700 Höhenmeter mit einer Bergankunft.

Meine Ausgangslage war insofern interessant, als dass ich i.) den letzten Platz in der Vereinsmeisterschaft von meiner letzten Teilnahme 2019 zu verteidigen/bzw. zu verbessern hatte und gleichzeitig dieses Jahr (nicht zuletzt auch durch die mittwöchliche Wochenteilung) deutlich besser in Form bin. Somit war mein Ziel gesteckt, ich wollte zumindest vor einem anderen Starter unseres Vereins ins Ziel kommen.

Am Renntag reihe ich mich recht konservativ mit den meisten meiner Vereinskollegen hinten im Feld ein und rolle problemlos im neutralisierten Feld aus Altenmarkt hinaus. Nach der Rennfreigabe ändert sich zunächst wenig, ich halte immer noch recht gut im Hauptfeld, welches zunächst einen einsamen Ausreißer ziehen lässt mit. So weit so gut.

Doch im kurzen Steilstück von Neuwald nach St. Corona reissen erste Lücken im Feld vor mir auf. Ich nutze meinen Gewichtsvorteil und ziehe an den meisten meiner Vereinskollegen vorbei, um an der Gruppe vor mir dranzubleiben. Mein Plus schießt nach oben bis er in meinem Helm ansteht (eh nur 192), aber ich denke mir: „Das ziehe ich durch, in der Gruppe kann ich mich bergab wieder erholen“.

Über die Kuppe drüber, dann der nächste Sprint um in der Gruppe zu bleiben. In der Gruppe ist überraschenderweise auch mein Arbeitskollege, der wie ich weiss um ein vielfaches stärker als ich ist. Kurze Zweifel, ob diese Gruppe die richtige für mich ist, keimen auf – oder doch nicht. Keine Zeit & kein Blut im Kopf mehr zum Denken. Die Gruppe ist nur klein und niemand fährt lange Ablösungen. Ich versuche auch meine Zeit vorne im Wind möglichst kurz zu halten, schließlich bin ich in einer viel zu schnellen Gruppe für mich gelandet… Als ich zum zweiten Mal nach vorne in den Wind komme biegen wir gerade wieder auf die leicht ansteigende Bundesstraße. Ich versuche möglichst schnell wieder aus dem Wind herauszukommen, und mich hinten in die Gruppe zu hängen, doch selbst das klappt nicht mehr…..

Mit dem Wissen, dass erst ca. ein Renndrittel absolviert ist, lasse ich die Gruppe ziehen und rolle alleine weiter. Mit dem Plan auf die nächste Gruppe zu warten….. Doch die kommt erstmal nicht. Ich verbrauche also schön langsam meine Energie auf der leicht ansteigenden Strecke. Als die Gruppe mich dann doch endlich einholt geht es schon wieder zum zweiten Mal ins Steilstück von Neubau nach St. Corona. In der Gruppe sind insgesamt nur 5-6 Fahrer und fast nur Radfahrer vom RC Mödling, und die alle schätze ich als stärker als mich ein. Über die Kuppe reisse ich ein Loch von ein paar Metern und als Reaktion auf die Erfahrungen aus der ersten Runde beschließe ich mich nicht voll reinzuklemmen sondern auf die nächste Gruppe zu warten.

Und so fahre ich alleine die ganze Abfahrt. Und den ganzen flachen Anstieg auf der Bundesstraße. Und erst im leicht ansteigenden Streckenteil sehe ich in der Entfernung einen einzelnen Radfahrer langsam auf mich aufschließen. Ich nehme etwas raus, und Thomas holt mich in Neuwald ein. Die Luft ist total heraußen bei mir, dennoch kämpfe ich mich vor Thomas über die Kuppe und gehe mit ein paar Metern Vorsprung in den Schlußanstieg. Thomas kontert und zieht problemlos an mir vorbei.

Ich komme somit als 41ter von 45 Startern in der allgemeinen Klasse ins Ziel… Dieses Mal gerade nicht letzter in der Vereinsmeisterschaft.

Epilog:
Eine Blick auf meine Herzfrequenz und von Strava daraus abgeleiteten Leistungwerte zeigt meine drei vielleicht nicht so ganz brillianten taktischen Züge:

1.) Bergab erholen ist nicht drinnen, wenn man sich in die Ablösung so einreiht, dass man sich dabei abschießt

2.) Wenn man die letzte größere Gruppe ziehen lässt, dann sollte man sich nicht wundern, dass von hinten keine mehr kommt. (und wenn ich gewußt hätte, dass Walter nur auf 30% Leistung fährt, dann hätte ich mich auch getraut mich an dieses Hinterrad anzuhängen)

3.) Wenn man ohnehin schon fast alle seine Kräfte sinnlos verballert hat, dann sollte man auf der zweitletzten Steigung Zurückhaltung üben.

Aber, das Wetter war super, das Rennen hat Spaß gemacht und bis ich so viele Rennjahre wie Walter Kovarik habe, habe ich noch Zeit, um an meiner Taktik zu arbeiten.

Glück


Dazu eine Geschichte:

Vorigen Sommer fahre ich eine flache Sonntagsrunde, locker! Natürlich! Zuerst irgendwo ein paar Höhenmeter im Wienerwald sammeln, dann über Baden runter nach Eisenstadt, übers Leithagebirge zurück nach Hof, nochmals rüber nach Donnerskirchen, nochmals rüber nach Kaisersteinbruch, dann über Bruck an der Leitha zurück nach Mödling.

Am Weg nach Donnerskirchen ist ein Käfer über die Straße gekrabbelt. Man stelle sich vor! Ein (nein, ich habe hier kein zweites „ein“ vergessen, das ist Absicht!) cm Käfer (Insekt), insgesamt 16.000.000cm Straße, 0,25cm Radreifenbreite und eine Durchschnittsgeschwindigkeit von  3.100.000cm/h und es hätte genau gepasst, dass ich den Armen (Käfer nämlich) überfahre, irre! Hatte der ein Glück, dass ich gerade noch ausweichen konnte! Anders formuliert, was für ein Pech, wenn Du dann über den Haufen gefahren wirst.

Wenn ich nun bedenke, dass ich bei den durchschnittlichen 10.-15.000km/Jahr in den letzten 10 Jahren erst 2 x von einem Auto angefahren wurde, schönes Glück, oder?

War es Pech, als es mich mit  70km/h zerrissen hat? Oder Glück, dass dabei die 6 Rippen 5cm n e b e n der Wirbelsäule gebrochen sind. Pech, dass die Lunge kollabiert ist, oder Glück, dass es nun 1 Flügel war?

Den Martin hat’s auch mit 70 (die Turrach runter) geschmissen, so ein Pech aber auch, oder? Nix passiert, außer Hautabschürfungen, Anschiss (zu Recht) von der Gattin und ein völlig derangiertes Ego seitdem beim Runterfahren!

Bin mir sicher, fast jeder von euch kann solche Geschichten erzählen. Gibt es dieses Glück, dieses Pech?

Theoretisch (T H E O R E T I S C H!!!) hätte Martin (oder auch ich) mit 60 den Berg runterfahren können, aber:…

… nein, das ging grundsätzlich nicht!

… nein, wir hatten eh Glück, dass nicht mehr passiert ist!

… nein, wir hätten ja trotzdem stürzen können und uns,  ja, sogar noch schwerer verletzen dabei!

Nach so vielen Jahren mit tollen Ausfahrten, lässigen Rennen, vielen Radfreund*innen, coolen Gruppenausfahrten,… sage ich: was habe ich für ein Glück (wie der Käfer)! Ich habe ein super schönes Hobby, kann es auch ausleben. Jammern findet bei uns, zum Glück, nur auf höchstem Niveau statt.

Jetzt hoffe ich weiter auf unser aller Glück!. Also, raus auf die Radl, jetzt! Denn dann sind wir g l ü c k l i c h  („Pechlich“ gibt’s ja eh nicht!)!

Mittwoch ist immer die RCM Wochenteilung, Details unter
https://www.radclub-moedling.at/wochenteilung-die-mittwoch-ausfahrt/

Te Walt

Entgegnung & Wirtschaft, Tour, Olympia!

So ein Stress, da kommt man ja nicht einmal mehr zum Radfahren…

„Das Fahrrad ist der langsame Tod des Planeten!“

Der CEO der Euro-Exim Bank Ltd. (Sanjay Thakrar) hat Ökonomen zum Nachdenken gebracht, als er sagte:

„Ein Radfahrer ist eine Katastrophe für die Wirtschaft des Landes. Er kauft kein Auto und leiht sich kein Geld, um es zu kaufen. Er zahlt keine Versicherungspolicen. Kauft keinen Treibstoff, bezahlt nicht, um das Auto der notwendigen Wartung und Reparatur zu unterziehen. Er benutzt keine kostenpflichtigen Parkplätze. Es verursacht keine schweren Unfälle, für ihn sind keine mehrspurigen Autobahnen erforderlich, er wird nicht fett. Gesunde Menschen sind weder notwendig noch nützlich für die Wirtschaft. Sie brauchen keine Medikamente, sie gehen weder in Krankenhäuser noch zu Ärzten. Sie fügen dem BIP des Landes nichts hinzu. Hingegen schafft jede neue McDonald’s Filiale mindestens 30 Arbeitsplätze, neben den Leuten die dort arbeiten, haben einige Kardiologen, Zahnärzte, Diätologen und Ernährungswissenschaftler mehr Arbeit. Wähle vorsichtig: Fahrradfahrer oder McDonald‘s? Es lohnt sich, darüber nachzudenken.“

PS: Laufen ist noch schlimmer. Läufer kaufen nicht mal ein Fahrrad.„

Ich antworte dem CEO:

„RadfahrerInnen benötigen ein Auto! Wir wollen manchmal auch in Süd-, oder Westösterreich, Italien, etc. ein paar Pässe abfahren. In meinem Fall ist bei den langen Rennen oft ein Begleitfahrzeug vorgeschrieben. Dass RadfahrerInnen kein Auto benötigen ist absolut falsch. Der Mann hat ja sowas von keiner Ahnung, Banker halt!

Versicherungspolizze habe ich gerade heute wieder eine lösen (müssen), sonst kann ich bei den 24h Grieskirchen (ÖM) nicht teilnehmen, da hammas schon wieder, keine Ahnung hat der CEO!

Wartung und Reparatur: Vor ein paar Wochen ist mein Rahmen gebrochen, was glaubt der Mann, was das kostet? Und sonst? Ketten, Reifen, Schläuche, Dichtmilch, Ersatzteile, Werkzeuge,… oder auch Service beim Händler,  Kosten wohin man schaut! Die Bekleidung,… sprech‘ ich gar nicht an, fragt den Harry, der kauft sogar beim Pfanni, dass ist kein „Pemmerl“!

Unfälle? So ein Blödsinn!! Die sind leider auch bei mir nicht ausgeblieben, alleine für das Essen im UKH musste ich 17,90.-/Tag über 2 Wochen lang bezahlen (in der Stmk und in Wien ist’s billiger)!! Zum Essen war’s übrigens nicht, hab‘s immer an einen hungrigeren Leidensgenossen weiter geschenkt!

Medikamente? Haha, frag doch den Winokurow, den Jan, den Bernhard,… keine Medikamente, beim Radfahren, ha!!!

Diätologen,… nochmals haha, hat der Mann überhaupt einen Tau, wie sich kg zu Watt und Alpenpässen verhalten, anscheinend nicht! Schon der alte Schleck mit 189cm und 68kg Gewicht (geschätzt) sagte einmal kurz vor der Tour: „so fett habe ich keine Chance“!

Leider scheinen wir RadfahrerInnen, wenngleich so viele, nicht ernst genommen zu werden. Nicht von der Politik als WählerInnen (siehe Genehmigungen für z.B. Clubrennen), nicht von Autorasern, die bis zu 5 Sekunden verlieren, wenn sie nicht durch uns durchfahren können, nicht die Motorrad GP Aspiranten, die halt nur 3 Sekunden auf ihrem Weg in den OP als Organspender verlieren! Nicht von den Jagdaufsehern, weil nur wir das Wild stören, nicht von den HundebesitzerInnen, die Ihre Hundzerl ohne Leine (wahlweise mit langer, unsichtbarer Leine über den Weg) laufen lassen („der tut nichts“)…

Maus, aus, ich stoppe hier und sage, der Mann hat nicht recht, das Terrain an sich wird hier gefährlich. So sei hier nur gesagt: „ein Todl bleibt ein Todl, egal ob zu Fuß, auf dem Rad, im Auto oder auf der Maschin!“ Nur nicht aufregen, aber trotzdem etwas sagen!

Wir hatten wieder Tour de France, endlich waren die radsportlosen (seit dem Giro) Zeiten im home office vorbei, wir konnten uns die Arbeitszeit wieder mit der Zusammenfassung des Vortages vertreiben 😊!

Was für eine erste Etappe, 50x Karbonrahmen geschrottet! Ob nicht diese @@@ Zuseherin, die den Massensturz verursacht hat, eine dieser „Todln“ ist?

Alaphillipe hat’s schon wieder getan, sehr lässiger Antritt am Anstieg. Bin gleich danach voll motiviert raus, ein Sprint von Hinterbrühl nach Weißenbach (ohne aufwärmen natürlich), Vollverrauchung kurz nach der Autobahnunterführung. Da haben meine Watt halt nicht gereicht. Ich glaub fast, der Franzose trainiert, a) besser, b) mehr, c) mit mehr Talent, und d) er hat das bessere Radl…(und jünger ist er auch😊)

Patrick Konrad hat (s)eine Etappe gewonnen, übrigens ein Österreicher und im noch engeren Sinne ein Mödlinger. Jetzt sind wir alle ein bisschen Sieger 😊(… speziell wir vom RCM).

Anna Kiesenhofer hat’s auch getan. Chapeau, unglaublich gefahren, verdient gewonnen! Sind WIR stark! Übrigens: Sie folgt absolut dem Trend bei uns im Wienerwald und auch sonst so! Immer mehr Frauen auf dem Rennrad, echt lässig. Somit werden diese Testosteron geschwängerten Wettkampfmoleküle in der Luft doch ein wenig mit Östrogen verdünnt!

Wenn ich schon Triggerbegriffe wie Training, Diät,.. verwendet habe, sollte ich natürlich gleich in die Umsetzung gehen. Heißt: mittwochs brav zur RCM Wochenteilung. Allerdings versuche ich vorab schon ein paar km mehr mitzunehmen. Mit der traditionellen Nachbesprechung beim Bachwirt fällt sonst die Kalorienbilanz äußerst grenzwertig aus (@Thomas: die Eispalatschinken mit Bier wird durch eine Runde inkl. Hochroterdstich kalorienmäßig nicht aufgewogen 😊)!

So, jetzt noch die Couchpolster reinigen, auf die Tour und Olympia folgt nun bald die Vuelta, so könnt’s weitergehen.

Keep on Riding, wir haben noch immer Sommer, also RAUS!!

Te Walt

Trophy Report von Lina und Walter

Mein erstes Mountainbike Rennen!

Wie bin ich auf die Idee gekommen:

Eigentlich fand ich es immer schon sehr cool, dass mein Papa bei Radrennen mitmacht und ihm das sehr viel Freude bereitet, wenn er an seine Grenzen radelt 🙂 Ich habe mir dann gedacht, vielleicht macht es mir auch Spaß, weil eigentlich fahre ich recht gerne mit dem Rad. Dann habe ich mir mal angeschaut, was das nächste mögliche Rennen wäre, wo das ist, wie lange und wie anstrengend das sein könnte. Als nächstes Rennen stand die Salzkammergut-Trophy in Bad Goisern im Kalender, das größte Mountainbikerennen Österreichs. Ich habe mir gedacht, dass ich die kurze „G“-Strecke (22km, 623hm) schaffen kann und weil wir in der Nähe bei meinen Großeltern übernachten können, habe ich mich kurzfristig entschlossen mit zu fahren.

Wie ich das Rennen fand:

Ich musste mit dem Rad eine halbe Stunde bis nach Bad Goisern fahren und bin schon klatschnass am Start angekommen und war dementsprechend nicht so richtig motiviert. Ich wusste nicht, ob die Strecke sehr steil und rutschig sein wird, wenn alles nass ist. Aber ich muss sagen, ich fand den Regen dann sogar sehr sehr angenehm, da mir dadurch nicht so heiß war und es irgendwie ein echt lustiges Erlebnis war. Zuerst fand ich die Strecke sehr cool durch den Wald kurz bergauf und auf den welligen Straßen. Dann ging das erste steile Stück auf der Forststraße los -> das ging voll! Als es dann immer steiler und steiler wurde und mich einige von der A-Strecke überholt haben, war ich etwas demotiviert. Doch als mir mein Papa dann gesagt hat, dass wir die Höhe erreicht haben und es ab jetzt nur mehr bergab geht, habe ich mich so unglaublich gefreut und ich war richtig motiviert für die Bergabstrecke, obwohl es richtig arg geschüttet hat. Das war dann eine ziemlich gatschige, steinige, rutschige, nasse und abenteuerliche Angelegenheit, aber trotzdem extrem cool!!

Lina Langer, Foto: ©Sportograf: Fahrerin Lina

Was für mich wichtig war:

Einfach teilnehmen an dem Rennen und mein Bestes zu geben. Meine Limits kennen und etwas Neues auszuprobieren. Mir ging es um das Erlebnis und um die Challenge auf den Berg und wieder heil hinunter zu kommen und nicht um die Rangliste! Ich bin sehr froh, dass ich teilgenommen habe und ein großes Danke an meinen „Radfahrpapa“, dass er sein eigenes Rennen, also die C-Strecke, die er fahren wollte, sausen gelassen hat, um mit mir meine Strecke zu fahren. Weil alleine hätte ich es nicht so genossen und nicht so viel motivierende Worte zu Ohr bekommen 😊

Lina

Lina Langer Foto: © Walter Langer

Plötzlich „Radfahrpapa*“

Vater zu werden, darauf kann man sich in der Regel einige Monate mental vorbereiten und freuen, „Radfahrpapa“ zu werden, das kam dann doch etwas plötzlich. Zwei Wochen vor der heurigen Salzkammergut-Trophy, an der ich, wegen der coronabedingten Veranstaltungspause von Entzugserscheinungen gebeutelt, traditionell wieder teilnehmen wollte, kam das unerwartet „Papa, kann ich da mitfahren?“. Unerwartet, denn bis zu diesem Zeitpunkt hatte meine Tochter gerade einmal drei kleine Schnupperrunden der Kategorie „Husarentempel“ und auf dem einfachen Anningertrail gedreht. Kurzer Check der Ausschreibung, ja, auf der kurzen G-Strecke dürfen die 15-Jährigen erstmals starten. Den Downhillteil dieser Strecke kenne ich doch noch vom Rodeln aus der Schulzeit, kann nicht so schlimm sein, ist nur ca. 35 Jahre her. Der Entschluss steht, ich werde meine Tochter begleiten, sicher ist sicher, quasi als Guide. Passt. Angemeldet.

Dann der Materialcheck: Das mütterliche Mountainbike ist älter als die motivierte Tochter, aber dank jahrelanger schonendster Behandlung in renntauglichem Zustand, Magura Felgenbremse inklusive, mit ähnlicher Hydraulikbremse war ich damals bei meiner Trophy-Premiere vor 10 Jahren auch schon aufgefallen 😉.
Mit T-Shirt fahren? Sicher nicht, ein RCM-Vereinstrikot muss es sein!
Dann die mentale Vorbereitung, die Wettervorhersage pendelt inzwischen um die 80l/m² für den Renntag… wir werden sowieso nass und dreckig, das ist bei der Trophy ähnlich wahrscheinlich wie Sonnenschein in der Sahara.

Beim Rennen war, wie immer in Goisern, beste Stimmung unter Teilnehmern und Zuschauern, trotz allerärgstem Sauwetter standen an vielen Stellen Zuschauer, die uns angefeuert haben. Der Downhill war dann doch nicht so „ohne“, er war gatschig und rutschig, ausgewaschene Rinnen und immer wieder Überholmanöver von schnelleren Fahrern anderer Strecken. Egal, sturzfrei zurück ins Tal geschafft, ein letzter Trail, ein paar Meter noch durch den knöcheltiefen Gatsch neben der hochwasserführenden Traun…und dann der letzte Kilometer mit der „Radfahrtochter“ zum Ziel am Goiserer Marktplatz – jedenfalls ein sehr emotionales Erlebnis. Strahlende Gesichter, Gänsehaut pur!

Walter und Lina Langer Foto: ©Sportograf

Walter

*Radfahrpapa = Servicemann. Nicht zu verwechseln mit „Eislaufmutter“ – siehe https://marjorie-wiki.de/wiki/Eislaufmutter

Salzkammergut-Trophy 2021

Nach langer Zeit wieder mal ein MTB Rennen. Am Samstag bin ich vom Regen in die Therme gekommen…. aber immer der Reihe nach.

Vor dem Rennen:
Der Familienurlaub am Attersee wurde erfolgreich so geplant, dass für mich ein Start bei der Salzkammergut-Trophy möglich war. Nach langem hin und her melde ich mich für die D-Strecke an, weil i) die Startzeit mit 13:00 Uhr für mich sympthatisch ist und ii) die fahrtechnisch anspruchsvollere Strecke mich reizt. Der Nachteil ist, es quälen mich die Zweifel, ob das so eine gute Idee ist, mit meinem Carbon Hardtail eine Strecke anzugehen, die als All-Mountain-Strecke ausgeschrieben ist.

Dass mein MTB mir auch noch meine Wintereskapaden mit lautem Knarzen übelnimmt, das macht die Sache auch nicht besser. Während des Familienurlaubs am Attersee starte ich noch einen verzweifelten Versuch beim lokalen Fahrradgeschäft, ob das Knarzen nicht doch abgestellt werden kann. Doch der nette Herr im Radgeschäft kann mir nur sagen, dass es mit ziemlicher Sicherheit vom Lenkkopflager kommt und nicht so leicht zu beheben ist. Unser Obmann Walter beruhigt mich, und kündigt mir gleich an, dass es beim Rennen hinreichend regnen wird, dass sämtliche Geräusche weggespült werden.

Womit wir beim tagtäglichen Beobachten der Wettervorhersage sind. Einige Tage vor dem Rennen, lautet die Vorhersage bereits ziemlich eindeutig: Regen. Nur, die Vorhersage sagt auch für den Großteil der Woche vor dem Rennen bereits Regen an, und der fällt eigentlich gar nicht so arg aus, und die Vorhersage wird jeden Tag nachträglich zum besseren revidiert. So lebt die Hoffnung auf ein akzeptables Wetter für den Renntag weiter…. bis zum Abend vor dem Rennen. Mit nur noch ein paar Stunden zeichnet sich irgendwie ab, dass dieser ganze Regen, der die ganze Woche zu übertrieben angekündet worden war, scheinbar vor hat am Renntag zu kommen. Freitag abend ist die Vorhersage schon bei 25 Liter Regen, als ich am Freitag ins Bett gehe, bereits bei 59 Liter Regen und am Samstag morgen beschließe ich bei einer Vorhersage von 90 Liter Regen nicht länger den Wetterbericht anzuschauen. Dazwischen versucht mir meine Frau noch den Rennstart auszureden, da sie nicht will, dass ich bei einem Regenrennen stürze und mich verletze. Ich beruhige sie mit dem Argument, dass richtig heftiger Regen weniger gefährlich ist, da der Schlamm gleich wieder weggespült wird… Rennvorbereitung einmal anders.

Vor dem Start:
Am Renntag wache ich mit massivem Kopfweh auf. Koffein-Entzug. Vor lauter Familienurlaub und Quality Time mit der süßesten Tochter der Welt, habe ich nicht meine tägliche Ration Kaffee bekommen… Gottseidank, wirkt die dreifache Espresso-Dosis beim Frühstück und ich komme langsam doch in Schwung.

Zum Glück bringt mich meine Frau mit dem Auto zum Start nach Bad Ischl. Und ich bin schon mal sehr dankbar, dass ich nicht im Regen zum Start radeln muss. Nach dem ich die Startnummer abgeholt habe, verabschieden sich meine Frau und meine Tochter und es ist ausgemacht, dass sie bei dem Regenwetter den Großteil des Tages in der Therme verbringen werden, wo ich sie nach dem Rennen wieder treffen soll.


Ca. 30 Min. vor dem Start setzt schon wieder kräftiger Regen ein, und die Idee mich bei dem Regen warmzufahren, die verwerfe ich gleich wieder. Ich stelle mich mit einigen anderen Startern unter und warte auf den Start. Dabei erfahre ich so ungefähr, dass die Strecke irgendwie geändert wurde, aber eh alles ungefähr gleich bleiben soll… D.h. nicht ganz 60 km und ca. 2000 Höhenmeter. Ich kümmere mich nicht wahnsinnig darum, da ich davon ausgehe, dass ich eh irgendwo im Feld mitfahre und die Strecke schon finden werde.

Knapp vor dem Start stelle ich mich ziemlich weit hinten im Starterfeld auf und denke mir nix dabei. Ich mache mir keine Illusionen über einen Spitzenplatz und ganz überhaupt wird das Rennen eh neutralisiert gestartet.

Der Start:
Pünktlich um 13:00 Uhr erfolgt der Start. Ich rolle mit den langsameren Startern hinten los und merke gleich einmal, dass hier noch kein richtiger Schwung drinnen ist. Also überhole ich auf den ersten paar hundert Metern aus Bad Ischl raus gleich einmal 20 – 30 andere Starter. Dann der erste kurze Anstieg, ich überhole noch ein paar langsamere Teilnehmer und bin plötzlich ziemlich alleine…! Mit Entsetzen stelle ich fest, dass der hintere Teil des Starterfeldes bereits im neutralisierten Teil den Anschluss an das größere Feld verpasst hat. Ich versuche noch die Lücke zuzufahren, sehe aber nur noch die größere Gruppe vor mir – nach der Neutralisation – wegbeschleunigen. Macht nichts, denke ich mir, da werde ich schon noch ein paar von denen wiedersehen.

Das restliche Rennen:
Nach dem komplett verpennten Start versuche ich einen moderaten Rhythmus in den ersten längeren Anstieg zu fahren. Ich hole tatsächlich noch ein oder zwei Fully-Fahrer ein und biege trotz strömenden Regen ganz gut gelaunt in den ersten Trail ein. Doch dann ist meine Laune, genauso wie meine Sicht etwas getrübt. Die Brille ist komplett beschlagen, und ich seh genau gar nichts auf dem matschigen und rutschigen Trail. Damit bleibe ich gleich ein- zweimal hängen und komme nicht wirklich gut voran. Aber, ich bleibe, wie meiner Frau versprochen, sehr vorsichtig und komme sturzfrei durch. Mit etwas Geduld und herumspielerei kriege ich nach ein paar Minuten Blindflug sogar meine Brille frei und komme so etwas besser zurecht.

Nach der vorsichtigen ersten Trailabfahrt geht es in den zweiten längeren Anstieg. Ich bin irgendwie schon ziemlich alleine unterwegs, sehe nur noch drei Fahrer vor mir, und hinter mir meilenweise niemanden. Das bleibt den ganzen Anstieg so, und in der nächsten längeren technischen Abfahrt führt meine – familiär versprochene – Vorsicht dazu, dass von den drei vor mir fahrenden Radfahrern niemand mehr wirklich in Sichtweite ist. Ich möchte mal auf meinem Garmin schauen, wie viele Höhenmeter ich denn schon geschafft habe… doch die Höhenmeterangabe hat schon vor dem Regenwetter kapituliert. Ich habe also zunächst mal keine Ahnung wieviel von den ca. 2.000 Höhenmeter ich schon geschafft habe.

Im nächsten längeren Anstieg, es hat endlich mal aufgehört zu regen, sehe ich nach einer Weile wieder einen Radfahrer vor mir. Mit dieser Karotte vor der Nase kämpfe ich mich Meter um Meter an den anderen Radfaherer heran und hole ihn am Ende des Anstieges ein. Gemeinsam mit dem eingeholten Fullyfahrer machen wir auf einem flacheren Stück endlich ein paar Kilometer, bevor ich ihm die Vorfahrt für den technischen Downhill lasse. Ich holpere zunächst einen verschlammten Wurzeltrail runter und fahre dann mit einem gewissen Sicherheitspuffer aber doch zügig eine lange Abfahrt durch einen Bach (vormals Trail). Die Linienwahl ist in diesem Fall eher einfach: Immer der Strömung nach.

Der Fully-Fahrer ist natürlich lange ausser Sicht als ich unten ankomme. Es geht wieder in den Anstieg und nun bin ich gänzlich alleine. Es gibt aufgrund des Regens kaum Zuschauer an der Strecke, und die Beschilderung ist etwas verwirrend. Es gibt zwar bei jeder Abzweigung ein Schild welches mir die Richtung weist, aber gleichzeitig gibt es auch viele Schilder welche in meine Richtung zeigen. Und ich bin diesen Anstieg doch schon einmal gefahren… Ich erinnere mich an die Ankündigung der Streckenänderung vor dem Start, welche doch beinhaltet hatte, dass wir ein Stück zweimal fahres müssen. Soweit, also gut…. Aber, halt: Was wenn ich jetzt hier auf eine Möbius-Schleife geschickt werde?

Zum Glück hole ich den Fully-Fahrer von vorher wieder langsam ein, und es finden sich wieder vereinzelt ein paar Zuschauer am Streckenrand. Ich bin also noch auf der richtigen Strecke. Motiviert von dem einen gewonnenen Platz kämpfe ich mich den Anstieg bis nach oben und komme den nachfolgenden Trail auch ganz gut runter. Ich bin extra-vorsichtig und steige freiwillig ein oder zweimal ab, immerhin habe ich meiner Familie eine sturzfreie Fahrt versprochen. So weit alles gut, nur wo auf der Strecke ich mich befinde, das ist mir gänzlich unklar. Mittlerweile bin ich schon mehr als 3 Stunden unterwegs und mein Garmin versucht mir immer noch zu erklären, dass ich erst ein paar hundert Höhenmeter geschafft habe…. Ich beginne ernsthaft daran zu zweiflen, dass ich meine angepeilten 4 Stunden schaffen kann. Doch dann plötzlich: Die Ewige Wand. Der einzige Streckenpunkt mit Wiedererkennungswert für mich. Ich bin ja doch schon sehr weit gekommen auf der Strecke. Kurz darauf bin ich auch schon unten im Tal und hinter mir taucht auch wieder der Fully-Fahrer auf. Gemeinsam kommen wir an die letzte Verpflegungsstation, die ich auslasse, während er noch kurz stehen bleibt. Kurz darauf holt er mich wieder ein, und wir beschließen uns in der Führungsarbeit abzuwechseln. Endlich geht auch kilometermässig was vorwärts und wir holen ein paar andere TeilnehmerInnen ein. Die sind jedoch alle nicht auf unserer Distanz…. Beim Zieleinlauf habe ich keine wirkliche Motivation oder Energie mehr um gehen meinen einzigen Weggefährten zu sprinten und rolle einfach nur hinter ihm ins Ziel. Während er den 2. Platz in der AK 60 erreicht hat, komme ich mit 3:50 h auf den 12 Platz in der AK 40.

Nach dem Rennen:
Ich bin zunächst froh im Ziel zu sein. Ich bin wie versprochen sturzfrei durchgekommen, und mein Ziel unter 4 Stunden zu bleiben, habe ich auch geschafft. So richtige Euphorie kommt jedoch noch nicht wirklich auf. Es schüttet wieder wie aus Kübeln und ich mache mich irgendwie planlos zunächst daran mein Rad zu waschen. Dann such ich meinen Rucksack, um zumindest eine trockene Regenjacke anzuziehen. Kurz versuche ich ob ich sonst jemand vom RC Mödling sehe, aber diese Hoffnung verwerfe ich gleich wieder, dafür ist selbst die abgespeckte Covid-19-Regenversion von der Salzkammergut-Trophy zu groß.

Ich melde mich also wie versprochen gleich bei meiner Frau und erfahre so gleich, dass die süßeste Tochter der Welt in Bad Ischl in der Therme auf mich wartet. Also radle ich noch 10 Kilometer durch den strömenden Regen zurück nach Bad Ischl. Meine genial gut oraganiserte Frau hat es geschafft, den Autoschlüssel bei der Kasse der Therme für mich zu hinterlegen und ich kann meine trockenen Sachen aus dem Auto in der Tiefgarage holen. Dabei schaffe ich es noch beim aus dem Aufzug aussteigen zu stürzen, … aber das zählt ja nicht mehr zur Salzkammergut-Trophy. Die habe ich wie versprochen sturzfrei bewältigt.

In der Therme finde ich gleich meine zwei Herzdamen, und das Strahlen meiner Tochter unterbricht die mentale und körperliche Verarbeitung der eben bewältigten Salzkammergut-Trophy sofort.

Epilog:
Erstens: Es muss noch gesagt werden, dass meine Frau mit der Empfehlung von Merino-Unterleiberl absolut recht hat.
Zweitens: Auch unser Obmann Walter hat Recht behalten mit der Vorhersage, dass der Bad Ischler Regen meinen Lenkkopf zum Schweigen gebracht hat.
Drittens: Durch diese ganze Regenpartie ist sich kein After-Race-Bier mit Walter oder Christian ausgegangen. Dies ist ein Formalfehler, der nur durch eine erneute Rennteilnahme korrigiert werden kann.