Cyclocross Saison 2025

8 (9) Rennen – ein persönlicher Rückblick

Auch wenn das Jahr gerade erst begonnen hat, meine dritte richtige Cyclocross-Saison ist gerade zu Ende gegangen. Zeit für einen Rückblick.

Anfangen hat es mit dem Bikeschneiderei Cross in Maria Enzersdorf. Bei hochsommerlichen Temperaturen war der RC Mödling mit starker Abordnung am Start. Während Robert und Thomas selbst als Cyclocross-Experten auf eine Trinkflasche zurückgriffen, habe ich noch keine Flaschenhalterung und somit auch nix zum trinken dabei. Das Resultat, nach einer Rennstunde ist mein Mund ungefähr so trocken wie die Sahara in der Trockenzeit und rolle nur als 54. über die Ziellinie.

6 mal RC Mödling und privater Fanclub – Bikeschneiderei Cross 2025

Der Vorteil von über 30°C im September zeigt sich dann erst im Anschluss an das Rennen. Dass das ausverkaufte Bier die ‚Nachbesprechung‘ des Rennens beendet und nicht tiefgekühlte Gliedmaßen, das ist auch mal was Neues.

Für mich war dann die zweite Cyclocross-Station im Oktober das King & Queen of Seeschlacht in Langenzersdorf. Da Thomas und Kurt in der Zwischenzeit fleißig Punkte für den Cup gesammelt hatten, musste ich hinter ihnen starten und bin gleich mal am Start aufgrund von nicht sehr guter Linienwahl ganz weit hinten. Wie immer in den letzten Jahren ist die Strecke jedoch sehr gut zu fahren, und ich kann mich zumindest um ein paar Plätze nach vorne kämpfen und beende das Rennen knapp vor Thomas als 39.

Wie jedes Jahr großartig – Cyclocross in der Seeschlacht – fotographiert von Ernst Teubenbacher

Meine dritte Cyclocross-Station war dann Anfang November in Ternitz, allerdings ’nur‘ beim Trainingsrennen am Samstag. Als sehr positiv zu erwähen ist in diesem Fall zunächst mal, dass Walter wird am Start war und seine Schulterverletzung aus dem Vorjahr ihn nicht mehr stark behinderte. Cyclocross in Ternitz bedeutet immer auch ordentlich Höhenmeter, was sämtliche Formschwächen schonungslos offenlegt. Nach einem erstaunlich guten Start kämpfe ich dann doch jede Runde mehr mit dem steilen Anstieg und ich komme nur als 41. ins Ziel. Dafür hatte ich ganz zweifelslos den besten drei-Generationen-privaten-Fanclub!

Tages des Querfeldeinsports GP Ternitz – immer noch kurz-kurz-Wetter

Mitte November wurde es Zeit für ein Cyclocross-Abenteuer der anderen Art. Nachdem ich während der RC Mödling MTB Vereinsmeisterschaft unfreiwillger Zuschauer war und dabei erfahren hatte, dass die Cyclocross Europameisterschaft für Masters in Samorin (also quasi ums Eck von Mödling) stattfindet, habe ich mich dazu entschlossen dort auch auf eine „Lanterne Rouge“ Mission zu gehen. Nach einer Nacht-und-Nebel Anreise mit dem Zug finde ich mich – wie vorgesehen – am Abend vor dem Rennen im Rennbüro ein, um meine Startnummer abzuholen. Die Frage danach, wieviele Betreuer ich für die technical zone anmelden will, hat mich nur kurz verwirrt, und ich war an sich race ready. Allerdings hat das Hotel in dem ich abgestiegen bin, eigentlich gar nicht offen, und ich krieg dort auch kein Essen, also mache ich mich noch einmal auf den Weg um Frühstück für den nächsten Tag und ein Abendessen zu finden. Nachdem ich dann doch das lokale Braulokal finde, ist die Rennvorbereitung für den Tag erfolgreich abgeschlossen.

Rennvorbereitungen – Strecke finden – Startnummer checken – und Energie tanken.

Am Renntag ist es gottseidank etwas weniger neblig und nach einem privaten Frühstück rolle ich zur Strecke und schaue mir noch ein paar Rennen der U16 an. Die jungen Burschen lassen es richtig krachen und ich bin schwer beeindruckt von der professionellen Organisation des Rennens. Nach einer Proberunde sind dann noch die etwas jüngeren Masters am Start und mir wird schon etwas mulmig, auf was ich mich da eingelassen habe. Gut zu wissen jedoch, dass in meinem Rennen zumindest ein Starter sein sollte, mit dem ich mithalten kann (ich war zumindest schneller in ein paar österreichischen Rennen als er). Bei der Startaufstellung visiere ich ihn gleich mal an, mit dem Ziel nicht als allerletzter auf die Strecke zu gehen. Und was passiert? Alle rasen mit 30+ km/h los und ich falle auf dem ersten Wiesenstück zurück an die letzte Stelle. Gerade in dem Moment wo ich mir denke „das gibt’s doch nicht“, bleibt mein „Überholkandidat“ beim ersten kleinen Hindernis hängen. Ich muss ebenfalls komplett abbremsen, komme dann doch noch an ihm vorbei. Somit bin ich kurz nach dem Rennstart zwar nur zweitletzter aber dennoch von allen anderen abgehängt. Eine halbe Runde später schaffe ich es noch einen zweiten zu überholen, und ab dann ist das Rennen ziemlich einsam für mich. Ich bin fast 4 Runden lang allein unterwegs bis mich der Führende überrundet. Kurz darauf ist für mich auch schon Rennende, da der Führende bereits auf der letzten Runde war (ich werde zwar noch vor der 4 Zieldurchfahrt aus dem Rennen genommen, aber immerhin mit nur einer Runde Rückstand gewertet),

Überrundet von Zsolt Bur – das kannte ich schon von den österreichischen Rennen

Somit bin ich 18. von 20 in meiner Altersklasse bei den Europameisterschaften im Cyclocross. Alles in allem eine sehr coole Erfahrung, leider nur dieses Mal ohne andere RC Mödling Starter und ohne privaten Fanclub.

Eine Woche nach dem persönlichen Highlight in Samorin geht es schon wieder weiter mit dem Wien Energie Cross in Landegg. Doch in diesem Fall, blieb mir das Rennen aus eher weniger erfreulichen Gründen in Erinnerung. Aufgrund von katastrophaler Kommunikation zwischen Radfahrern und Rennkommissären waren etliche der Master Starter schon auf ihrer Besichtigungsrunde während die letzten Damen noch ihr Rennen beendeten. Das Resultat war – zwar ganz regelkonform aber irgendwie doch maßlos überzogen – dass ungefähr ein Drittel des Starterfelds (auch Walter und Thomas vom RC Mödling) vor dem Rennen disqualfiziert wurden. Das dadurch deutlich verkleinerte Starterfeld verhalf mir zwar zu einem deutlich besseren 31. Platz, aber die eigentlich technisch nicht sehr anspruchsvolle Strecke und die Ablenkung durch die Disqualifikation von Walter und Thomas führten dazu, dass ich trotzdem nicht sehr zufrieden mit dem Rennen war.

Wien Energie Cross in Landegg – (nicht nur für mich) keine Runde Sache

Nachdem ich wieder ein, zwei Rennen ausgelassen hatte (die Familie freut sich ja auch, wenn ich nicht jedes Wochenende zum Cyclocross Rennen verschwinde) ging es dann kurz vor Weihnachten mit dem CX-Cross in Gerasdorf weiter. Das Wetter zeigte sich wieder einmal gnädig und so war es auch dieses Mal möglich zumindest auf die lange Hose zu verzichten. Durch meine wenigen Punkte in der Gesamtwertung musste ich wieder relativ weit hinten starten, was sich dieses Mal allerdings als nicht allzu großer Nachteil herausstellt, da ich dadurch ziemlich gut am heftigen Crash nach der zweiten Kurve vorbei kam. Danach bin ich in der ersten Runde noch an ein paar weiteren Startern vorbeikommen und konnte in einen ziemlich guten Rhythmus finden. Selbst der kurze steile Anstieg der im letzten Jahr für mich noch nicht fahrbar war, ging dieses Jahr. Angefeuert vom allerbesten Obmann (Walter hat uns eine Stunde lang bei doch kühlen Temperaturen unterstützt und fotografiert) habe ich mich auf den 28. Platz ins Ziel gekämpft. Ein bißchen irritiert hat mich nur dass ich im Zielsprint gegen einen 32 Jahre jüngeren Junior verloren habe….

Fotographisch festgehalten vom best-ever Obmann – zufrieden beim CX-Cross in Gerasdorf 2025

Nach Weihnachten gibt es noch traditionell den 3-Könixcross in St. Pölten. In Vorbereitung zum Saisonfinale und der Österreichischen Staatsmeisterschaft wollte ich eigentlich auch starten, aber ein wichtiger privater Termin ist mir kurzfristig dazwischen gekommen. Dennoch soll dieses Rennen im Rückblick auch nicht unerwähnt bleiben, da sich leider Thomas dabei – bei wirklich eisigen Bedingungen – seine Schulter verletzt hat. Absolut unvorstellbar, dass unser fleissigster Rennteilnehmer ausser Gefecht sein soll – auf jeden Fall wünsche ich ihm ganz schnelle und vollständige Genesung.

Saisonfinale & Österreichische Staatsmeisterschaften in Bludenz

Als ich am Anfang der Saison davon gehört habe, dass die Staatsmeisterschaft in Vorarlberg stattfinden sollte, dachte ich noch an einen gut gemeinten Scherz, bestenfalls eine Wunschvorstellung. Schließlich war in Österreich seit laaaaangem kein Cyclocross Rennen mehr weiter westlich als Bad Ischl. Aber im Dezember war es dann auch wirklich fix und bekannt: Cyclocross kommt wieder ins Ländle. Und ich bin ziemlich hin und her gerissen. Cyclocross in meiner alten Heimat, aber leider 1,5 Wochen NACH unserem Weihnachtsurlaub bei meiner Familie… Wie immer kennt mich meine Frau natürlich besser wie ich mich selbst und gibt mir das OK, gleich nach dem Familienurlaub noch mal alleine in den Westen zu fahren.

Somit ist der Plan: Freitag Nachtzug nach Vorarlberg. Samstag Saisonfinale, Sonntag Staatsmeisterschaft und dann Nachtzug zurück. Aufgrund der Wettervorhersage (nach einer Woche arktischer Kälte, einen Tag warm, dann wieder Schneefall) packe ich so ungefähr alles was ich an warmer Radwäsche habe ein und frage mich schon wie ich das alles in meine Mini-Cabin kriegen soll (spoiler – eigentlich gar nicht – ist so auch nicht vorgesehen). Mit Crosser und Riesenbackpack geht es dann bei Minusgraden zum Nachtzug…

Unterstützung von der besten Familie <3

Irgendwie schaffe ich es mich mit dem Backpack in die Minicabin zu quetschen und finde sogar etwas Schlaf. Und zu meiner Erleichterung ist Bludenz nicht ganz eingeschneit und auch nur teilweise vereist ist. Allerdings stelle ich bei der Proberunde auch ganz schnell fest, dass die Strecke überraschend viele Höhenmeter hat.

Beim Rennen zum Saisonfinale am Samstag ist die Strecke größtenteils schneefrei, allerdings gefroren mit einer leicht antauenden Matschschicht oben. Das ist an sich alles fahrbar, aber die Anstiege werden mit jeder Runde härter und die Abfahrten mit jeder Runde unberechenbarer.

Der spätere Staatsmeister Dominik Hödlmoser findet bergauf immer einen Weg an mir vorbei

Ich verliere bei Anstiegen deutlich mehr Zeit während ich bei den Abfahrten immer wieder einige zurücküberhole, die noch etwas vorsichtiger ans Werk gehen als ich.

90% Trefferquote auf einer der Schlüsselstellen

Ganz sturzfrei geht das dann doch nicht ab, aber ich komme mit Platz 24 – auch aufgrund des kleinen Starterfelds – auf meine beste Saisonplatzierung. Immerhin sind mein Rad und ich noch einsatzbereit für den nächsten Tag.

Von Samstag auf Sonntag scheint es noch einmal 20 cm und die Strecke präsentiert sich in einem deutlich anderen Bild. Der Neuschnee ist zwar an den meisten Stellen weggeräumt und/oder festgefahren, aber durch die Temperatur rund um den Gefrierpunkt ist die Strecke jede Runde an einer anderen Stelle rutschig. Die kurze rutschige Abfahrt durch den Wald wurde aus der Strecke genommen, dafür wurde die Schrägfahrt kurz vor Start und Ziel so verschärft, dass sie zunächst weder fahr- noch gehbar für mich ist.

Wenn Schieben die noch schlechtere Option ist

In dem leider sehr überschaubarem Starterfeld in der Masters Kategorie (allerdings noch besser als bei den Elite Startern – die Veranstalter hätten sich wirklich mehr Teilnehmer:innen verdient für den heroischen Einsatz Cyclocross wieder ins Ländle zu bringen) kann ich sehr leicht ausmachen, wer meine Gegner im Kampf um die Lanterne Rouge sind. Etwas positiv überrascht stelle ich fest, dass ich tatsächlich einen in meiner Altersklasse hinter mir lassen kann. Die verschiedenen wenig eleganten Abstiege lassen mich zwar immer wieder daran zweifeln, dass ich das auch so ins Ziel bringen kann, aber offensichtlich bin ich nicht der einzige der an rein zufälligen – spontan vereisten – Stellen zu Boden geht. In Summe komme ich somit bei den österreichischen Staatsmeisterschaften als 5. der Masters I in die Wertung.

Nach den mehrfachen unfreiwilligen Bodenkontakten ist zwar mein Rücken für die nächste Woche ordentlich beleidigt (meine Frau meint zurecht, dass ich das Ziel gesund wieder nach Hause zu kommen, nicht 100%ig erfüllt habe) Aber nach der Cyclocross-Saison ist eh immer eine (Renn-)Pause bevor es Ende März mit der Kamptal-Trophy wieder losgeht. Bis dahin ist das alles wieder gut und spätestens Anfang Herbst freuen wir uns auf die nächste Cyclocross-Saison.